03.11 - Agios Georgios Methystis:

Von der Drachenlegende zum Dorffest in Pitsidia

Jeder Ort hat seine eigenen Traditionen. Kleine und große Feste, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und die Geschichten, Bräuche und Werte der Menschen lebendig halten.

In Pitsidia, einem kleinen Dorf im Süden Kretas, ist der 3. November einer dieser besonderen Tage. An diesem Tag wird Agios Georgios, auch „Methystis“ genannt, gefeiert. Ein Festtag, der religiöse Traditionen mit der Geschichte des Ortes, dem Wein und natürlich einem typisch kretischen Dorffest verbindet.

Doch wer war der Heilige Georg eigentlich? Warum wird er „Methystis“ genannt, und was hat es mit dem Drachen auf sich, den wir auf seinen Ikonen sehen?

Der Heilige Georg und die Legende vom Drachen

Der Heilige Georg gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen der orthodoxen Kirche.

Auf vielen Ikonen wird er auf einem weißen Pferd dargestellt, mit einer langen Lanze in der Hand, mit der er einen Drachen tötet.

Hinter dieser Darstellung verbirgt sich eine alte Legende.

Der christlichen Überlieferung zufolge lebte in der Nähe einer Stadt ein furchterregender Drache, der die Bewohner in Angst und Schrecken versetzte. Um ihn zu besänftigen, mussten die Menschen ihm Opfer darbringen.

Als eines Tages die Tochter des Königs geopfert werden sollte, erschien der Heilige Georg auf seinem Pferd.

Mit Mut und festem Glauben stellte er sich dem Drachen entgegen und besiegte ihn. So rettete er die junge Frau und befreite die Stadt von ihrer Angst.

Diese Geschichte gehört zu den später entstandenen Legenden rund um den Heiligen und gilt nicht als historisch belegtes Ereignis.

Ihre symbolische Bedeutung ist jedoch bis heute aktuell.

Der Drache steht für das Böse und die Angst, während der Heilige Georg Mut, Glauben und die Kraft symbolisiert, sich dem zu stellen, was uns bedroht.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Darstellung des Heiligen auf seinem Pferd selbst nach so vielen Jahrhunderten noch immer so bekannt ist.

 

Warum wird der Heilige Georg zweimal im Jahr gefeiert?

Die meisten kennen den Gedenktag des Heiligen Georg am 23. April, an dem die orthodoxe Kirche an sein Martyrium erinnert.

Es gibt jedoch noch einen zweiten Gedenktag, am 3. November.

An diesem Tag wird der Überführung der Reliquien des Heiligen Georg gedacht, die mit ihrer Übertragung nach Lydda in Palästina verbunden ist.

Es handelt sich also um denselben Heiligen und nicht um zwei verschiedene Personen.

Der Unterschied liegt lediglich darin, an welches Ereignis die Kirche am jeweiligen Tag erinnert.

Auf Kreta hat der Gedenktag im November allerdings noch einen ganz besonderen volkstümlichen Namen bekommen.

 

Warum wird er „Methystis“ genannt?

Die Antwort liegt in einer der ältesten und beliebtesten Traditionen des ländlichen Kretas: der Weinherstellung.

Der November ist traditionell die Zeit, in der der Wein aus der Herbsternte seine Gärung abgeschlossen hat oder kurz davorsteht.

Die Weinfässer werden geöffnet und der neue Wein des Jahres wird zum ersten Mal probiert.

Der Gedenktag des Heiligen Georg am 3. November wurde mit diesem Brauch verbunden. So erhielt der Heilige den Beinamen „Methystis“, was sinngemäß „der weinliebende Heilige“ bedeutet.

Dieser Name hat nichts mit dem Leben oder dem Martyrium des Heiligen zu tun, sondern mit dem Volksbrauch, der sich rund um seinen Gedenktag entwickelt hat.

Auf einer Insel wie Kreta, wo Weinberge und Wein seit jeher ein fester Bestandteil des ländlichen Lebens sind, ist diese Verbindung keineswegs überraschend.

Schließlich war Wein hier schon immer mehr als nur ein Getränk.

Er war und ist ein Symbol für Gastfreundschaft, Gemeinschaft und Geselligkeit.

Ein Glas Wein ist oft ein schöner Anlass, zusammenzusitzen, Geschichten auszutauschen und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen.

Und so wurde ein religiöser Feiertag mit einem tief verwurzelten Brauch des Alltagslebens verbunden.

 

Das Fest des Heiligen Georg in Pitsidia

In Pitsidia ist das Fest des Heiligen Georg, des „Methystis“, weit mehr als nur ein Datum im Kalender.

Seit vielen Jahren ist es eine liebgewonnene Dorftradition, die die Menschen zusammenbringt.

Jedes Jahr am 3. November wird der Festtag mit einem geselligen Dorffest am Nachmittag auf dem Dorfplatz gefeiert.

Es ist eine Gelegenheit, sich zu treffen, gute Wünsche auszutauschen, gemeinsam ein Glas Wein zu trinken und miteinander zu feiern.

Denn auf Kreta sind Feste weit mehr als nur eine Gelegenheit zum Feiern.

Sie sind eine Möglichkeit, die Verbundenheit zwischen den Menschen zu bewahren und Traditionen von einer Generation an die nächste weiterzugeben.

Und vielleicht ist genau das ihre schönste Seite.

 

Eine Tradition, die Menschen weiterhin verbindet

In einer Zeit, in der sich vieles so schnell verändert, ist es schön zu sehen, dass manche Bräuche bestehen bleiben.

Dass die Menschen noch immer auf dem Dorfplatz zusammenkommen, gemeinsam feiern und ihre Traditionen lebendig halten.

Das Fest des Heiligen Georg „Methystis“ in Pitsidia erinnert uns daran, dass die wahre Schönheit eines Ortes nicht nur in seiner Landschaft liegt.

Sie liegt auch in seinen Menschen, ihren Geschichten und all den kleinen Dingen, die sie miteinander verbinden.

 

Und genau diese Dinge machen ein Dorf zu weit mehr als nur einem schönen Reiseziel.

 

Sie machen es zu einem Ort mit Seele.

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